Ergotherapie was ist das eigentlich?
- Charlotte Münstermann

- 31. Mai 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

Was ist eigentlich Ergotherapie?
Oder: Warum "tätig sein" manchmal mehr heilt als jede Medizin.
Ich liebe meinen Beruf weil ich jeden Tag erlebe, wie viel Veränderung möglich ist, wenn Menschen wieder selbst aktiv werden können. Weil ich sehe, wie viel Kraft darin liegt, sich als handlungsfähig zu erleben sei es beim Schuhe zubinden, beim Strukturieren des Alltags oder beim Zurückfinden ins Leben nach einer Krise.
Trotzdem begegnet mir im Alltag oft noch die Frage:
„Was macht man denn eigentlich in der Ergotherapie?“
Und genau deshalb schreibe ich hier, damit du einen Einblick bekommst, was hinter diesem vielseitigen Beruf steckt.
Ergotherapie mehr als „basteln und Motorik“
Ergotherapie ist ein medizinisch anerkannter Heilberuf. Unser Ziel ist, Menschen dabei zu unterstützen, trotz Einschränkungen möglichst selbstständig und aktiv am Leben teilzunehmen, sei es in der Schule, im Beruf, zu Hause oder in der Freizeit.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
• Ein Kind mit Konzentrationsproblemen findet endlich in seine Hausaufgabenroutine.
• Eine Seniorin lernt nach einem Schlaganfall, sich wieder selbst vom Bett in den Rollstuhl zu bewegen.
• Ein Jugendlicher mit Depressionen findet Struktur und Perspektive.
• Ein Klient mit chronischen Schmerzen lernt, seine Energie sinnvoll einzuteilen.
Ergotherapie ist individuell und ganzheitlich
Ich arbeite nicht nach Schema F.
In der Ergotherapie geht es immer um den einzelnen Menschen, mit seiner Geschichte, seinem Umfeld, seinen Zielen. Dabei schauen wir uns an:
• Welche Tätigkeiten gelingen gut?
• Welche sind schwierig geworden?
• Was braucht es, um Handlung wieder möglich zu machen?
Wir arbeiten körperlich, geistig, emotional, alltagspraktisch und manchmal einfach ganz menschlich. Wir beraten Eltern, begleiten Angehörige, schauen uns Schul- oder Wohnsituationen an, analysieren Arbeitsplatzbedingungen oder üben mit Kindern, ruhig in einer Gruppe zu sitzen. Alles kann wichtig sein, je nachdem, was die Teilhabe gerade verhindert.
Tätig sein ist gesund
Das Wort „Ergotherapie“ stammt vom griechischen „érgon“ das bedeutet „Tätigkeit“ oder „Werk“.
Und genau davon gehen wir aus: Dass Tätig sein eine heilsame Kraft hat.
Wenn ich etwas selbst schaffen kann, steigt mein Selbstwert. Wenn ich mich beteiligen darf, gehöre ich dazu. Wenn ich wirksam bin, verliere ich mich nicht.
Und manchmal geht es nicht darum, wieder alles allein zu können, sondern mitzuwirken, beteiligt zu sein, gebraucht zu werden. Auch das ist Gesundheit.
Und was, wenn’s nicht (mehr) alleine geht?
Dann sprechen wir von Teilhabe.
Zum Beispiel, wenn jemand im Pflegebett liegt, aber mit offenen Augen bei der Spielrunde im Wohnbereich dabei ist. Oder wenn ein Kind mit schwerer Beeinträchtigung mit Unterstützung seinen Schulalltag erlebt. Auch das ist Ergotherapie, nämlich das Schaffen von Teilhabe durch Umfeld, Struktur und sinnvolle Handlung.
Körper – Psyche – Umfeld – Umwelt
Ergotherapie denkt multimodal: Alles beeinflusst sich gegenseitig.
Körperliche Einschränkungen, emotionale Belastungen, das Verhalten von Angehörigen, schulische Anforderungen, Wohnsituation, Geräuschpegel, das alles kann den Handlungsspielraum eines Menschen einengen.
Wir schauen hin und helfen, passende Lösungen zu finden.
Wie wir das tun?
Durch Gespräche, Tests, Beobachtungen, Bewegung, praktische Übungen, aber auch durch Beratung und Einbeziehung des Umfelds.
Wir erfassen:
• Körperebene: Beweglichkeit, Kraft, Muskelspannung, Schmerz
• Sensorische Ebene: Wahrnehmung, Reizverarbeitung, Gleichgewicht
• Kognitive Ebene: Planung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Impulskontrolle
• Sozial-emotionale Ebene: Selbstwert, Motivation, Umgang mit Frust und Erwartungen
Manchmal liegt das Problem nicht im „nicht können“, sondern im „nicht wollen“, „nicht trauen“ oder „nicht verstehen“. Auch das gehört zu unserer Arbeit.
Bin ich Alltagsexpertin?
Ja aber du bist die Expertin oder der Experte für dich selbst.
Ich bringe Impulse, Methoden, Fachwissen und eine Portion Klarheit mit.
Du bringst dein Leben mit. Und gemeinsam machen wir uns auf den Weg, hin zu mehr Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität.
Ergotherapie kann viel aber nicht alles
Manchmal braucht es zusätzlich ärztliche, psychologische oder pflegerische Begleitung. Und manchmal reicht schon ein kleiner Impuls, der im Alltag Großes verändert.
Herzliche Grüße
Deine Charlotte
🛡️ Rechtlicher Hinweis:
Die Inhalte dieses Textes beruhen auf meinem fachlichen Wissen als Ergotherapeutin sowie auf meinen persönlichen Erfahrungen aus meiner täglichen Arbeit . Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Es wird kein Heilversprechen gegeben. Der Nutzen einer ergotherapeutischen Maßnahme ist individuell verschieden und hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.



