Wem hilft Ergotherapie eigentlich? Und was du über Verordnung, Anwendungsbereiche & Begleitung wissen solltest.
- Charlotte Münstermann

- 30. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

In diesem Artikel zeige ich dir, wer von Ergotherapie profitieren kann, in welchen Lebenssituationen sie sinnvoll ist, wie das mit der Verordnung läuft und in welchen Bereichen wir als Therapeut*innen tätig sind.
Was macht Ergotherapie eigentlich?
Ergotherapie kommt dann zum Einsatz, wenn alltägliche Aktivitäten – sei es in der Schule, im Beruf, zu Hause oder in der Freizeit, durch körperliche, psychische oder kognitive Einschränkungen nicht mehr wie gewohnt möglich sind.
Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Klient*innen Handlungsfähigkeit im Alltag zu ermöglichen, zu verbessern oder zu erhalten, je nach individueller Lebenssituation.
Ergotherapie richtet sich an Menschen aller Altersgruppen vom Säugling bis ins hohe Alter.
Wann kann Ergotherapie sinnvoll sein?
Ergotherapie kann unterstützend wirken, wenn du oder dein Kind zum Beispiel...
• Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Konzentration oder Handlungsplanung hast
• dich im Alltag überfordert fühlst und keine Struktur findest
• nach einer Erkrankung nicht mehr so selbstständig handeln kannst wie früher
• körperliche Einschränkungen dich bei Alltagsaufgaben behindern (z. B. Greifen, Anziehen, Schreiben)
• psychosoziale Belastungen deinen Alltag einschränken
• dein Kind motorische, emotionale oder entwicklungsbedingte Auffälligkeiten zeigt
In der Ergotherapie analysieren wir gemeinsam, welche individuellen Schwierigkeiten bestehen, und entwickeln praxisnahe Strategien und Hilfestellungen für den Alltag.
Ergotherapie bedeutet aktiv sein
In der Ergotherapie geht es nicht ums „Behandelt werden“, sondern ums Aktiv werden.
Wir begleiten Menschen dabei, ihre Fähigkeiten (wieder) zu nutzen, auszubauen oder neue Wege zu finden, je nach Zielsetzung.
Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei zentral.
Übungen oder Strategien aus der Therapie sollen in den Alltag übertragen werden, darum ist die Umsetzung zu Hause oder in der gewohnten Umgebung ein wichtiger Teil des Prozesses.
Ergotherapie in der Prävention
Auch ohne medizinische Diagnose kann Ergotherapie im präventiven Bereich sinnvoll sein. Zum Beispiel zur:
• Stressbewältigung
• Verbesserung der Betätigungsbalance
• ergonomischen Beratung am Arbeitsplatz
• mentalen Gesundheitsförderung
Wichtig: Präventive Maßnahmen sind keine Kassenleistung. Sie müssen privat finanziert werden. Viele Ergotherapeut*innen bieten individuelle Beratungen, Coachings oder Workshops an. Sprecht uns einfach an.
In welchen Fachbereichen arbeiten Ergotherapeut*innen?
Ergotherapie ist vielseitig. Hier ein Überblick über die häufigsten Arbeitsfelder:
Pädiatrie (Kinder und Jugendliche)
• Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme
• Störungen der Fein- und Graphomotorik
• Entwicklungsverzögerungen
• Schwierigkeiten im Sozialverhalten
• Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen
• AD(H)S, Autismus, Regulationsstörungen
Psychiatrie / Psychosomatik
• Depressionen, Angststörungen, Burnout
• Alltagsstrukturierung, Selbstfürsorge, Lebensbewältigung
• Skill-Training, soziale Kompetenzen, kognitive Förderung
Geriatrie (ältere Menschen)
• Demenz, Multimorbidität, altersbedingter Funktionsverlust
• Förderung der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld
• Sturzprophylaxe, Mobilität, Teilhabe
Neurologie
• Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson, Schädel-Hirn-Trauma
• Handlungsplanung, Koordination, Kraft und Beweglichkeit
• Alltagstraining, Hilfsmittelberatung
Orthopädie / Handtherapie
• Frakturen, Sehnenverletzungen, Arthrose, Rheuma
• Narbenpflege, Krafttraining, Beweglichkeit der Hand
• Selbsthilfetechniken für Haushalt, Arbeit, Freizeit
Wie funktioniert die Verordnung in Deutschland?
Für eine ergotherapeutische Behandlung auf Rezept brauchst du:
• eine Heilmittelverordnung
• ausgestellt durch den Hausarzt, Kinderarzt oder Facharzt
Bei gesetzlich Versicherten:
• Die Behandlung ist Kassenleistung
• Die Zuzahlung beträgt (für Erwachsene) 10 € + 10 % des Verordnungswertes, sofern keine Befreiung vorliegt
Bei privat Versicherten:
• Die Kostenübernahme richtet sich nach dem individuellen Versicherungsvertrag
• Eine ärztliche Verordnung ist auch hier notwendig
Und noch ein paar Fakten zum Beruf
In Deutschland ist Ergotherapie ein staatlich anerkannter Heilmittelberuf, reguliert durch das Ergotherapeutengesetz (ErgThG).
Die Ausbildung dauert 3 Jahre und erfolgt entweder an Berufsfachschulen oder im Rahmen eines Bachelorstudiums.
Ergotherapeut*innen gehören zur Gruppe der nichtärztlichen Heilmittelerbringer und arbeiten interdisziplinär mit Ärzten, Psychologen, Pflegekräften, Lehrern und Angehörigen zusammen.
Herzliche Grüße
Deine Charlotte
🛡️ Rechtlicher Hinweis:
Die Inhalte dieses Textes beruhen auf meinem fachlichen Wissen als Ergotherapeutin sowie auf meinen persönlichen Erfahrungen aus meiner täglichen Arbeit . Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Es wird kein Heilversprechen gegeben. Der Nutzen einer ergotherapeutischen Maßnahme ist individuell verschieden und hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.



