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Was ist da los ?

  • Autorenbild: Charlotte Münstermann
    Charlotte Münstermann
  • 17. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn man die Nachrichten verfolgt, hört man immer häufiger von steigenden Krankenkassenbeiträgen, Milliardenlücken bei den gesetzlichen Krankenkassen und neuen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen.

Viele Menschen fragen sich deshalb:


Warum zahle ich immer mehr Beiträge und habe gleichzeitig das Gefühl, dass die Versorgung schlechter wird?


Tatsächlich steht die gesetzliche Krankenversicherung aktuell vor enormen finanziellen Herausforderungen. Als Reaktion darauf wird zunehmend darüber diskutiert, wie die Ausgaben begrenzt werden können. Immer wieder stehen dabei sogenannte „Kostendämpfungsmaßnahmen“ oder Sparpakete im Raum. Nun hat die Bundesregierung das sogenannte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die Ausgaben im Gesundheitswesen zu begrenzen und weitere starke Beitragserhöhungen zu verhindern. (⁠BMG)


Auf dem Papier geht es um Zahlen, Budgets und Milliardenbeträge.

In der Realität geht es um Menschen!


Wenn die Ausgaben im Gesundheitswesen gedeckelt oder gebremst werden, betrifft das am Ende immer die Menschen, die die Versorgung sicherstellen und die Menschen, die auf diese Versorgung angewiesen sind. Kritiker befürchten deshalb, dass notwendige Einsparungen nicht an den Ursachen ansetzen, sondern direkt in der Versorgung ankommen. (⁠KBV - Startseite)


Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Viele Auswirkungen spüren Wir bereits heute.

Immer mehr Patientinnen und Patienten berichten uns, dass sie Schwierigkeiten haben, notwendige Verordnungen zu erhalten.

Eltern erzählen, dass sie mehrfach beim Kinderarzt vorsprechen mussten.

Menschen mit Schmerzen oder neurologischen Erkrankungen werden zunächst vertröstet oder sollen noch länger abwarten.

Sie hören immer häufiger Aussagen wie:


  • „Spielen Sie zu Hause einfach etwas mehr mit ihrem Kind.“

  • „Gehen Sie regelmäßig schwimmen.“

  • „Machen Sie mehr Sport.“

  • „Kommen Sie nächsten Monat noch einmal wieder.“


Natürlich können Bewegung, Spiel und Eigeninitiative wichtige Bestandteile einer Behandlung sein.

Aber sie ersetzen keine notwendige Ergotherapie, Physiotherapie oder Logopädie.

Hinzu kommt:

Wenn die Finanzierung der Versorgung weiter unter Druck gerät, drohen längere Wartezeiten, weniger verfügbare Therapieplätze und eine insgesamt angespanntere Versorgungssituation. Vor genau diesen Folgen warnen verschiedene Berufsverbände und Organisationen des Gesundheitswesens. (⁠DIE WELT)

Auch Versicherte selbst müssen mit zusätzlichen Belastungen rechnen. Bereits 2026 sind die Krankenkassenbeiträge erneut gestiegen. Gleichzeitig wurden weitere Maßnahmen beschlossen, die Versicherte künftig stärker finanziell beteiligen sollen. (⁠BMG)


Was bedeutet das für Therapeuten?

Über einen Punkt wird deutlich seltener gesprochen:

Die Auswirkungen auf die Menschen, die die Versorgung überhaupt erst ermöglichen.

Deutschland hat schon heute einen erheblichen Fachkräftemangel in den Therapieberufen.

Viele Praxen suchen seit Monaten oder sogar Jahren nach qualifizierten Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden etc.

Gleichzeitig steigen für Praxen die Kosten:

  • Mieten steigen.

  • Energiekosten steigen.

  • Materialkosten steigen.

  • Löhne steigen.

  • Bürokratie nimmt zu.

Wenn die Finanzierung der Gesundheitsversorgung jedoch gedeckelt wird, entsteht ein wachsendes Problem:

Praxen können Gehaltssteigerungen häufig nicht in dem Umfang weitergeben, wie es eigentlich notwendig wäre.

Die Folge:

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für einen Therapieberuf.

Fachkräfte wechseln in andere Bereiche.

Offene Stellen bleiben unbesetzt.

Und dadurch entstehen wiederum längere Wartelisten und längere Wartezeiten für Patientinnen und Patienten.

Ein Teufelskreis.


Therapie ist kein Luxus! Therapie verhindert Folgekosten!

Besonders kritisch sehen wir, dass Therapie häufig als Kostenfaktor betrachtet wird.

Dabei erleben wir täglich das Gegenteil.

Eine gute therapeutische Versorgung kann:

  • Pflegebedürftigkeit hinauszögern,

  • Krankenhausaufenthalte verkürzen,

  • Operationen vermeiden,

  • Arbeitsfähigkeit erhalten,

  • Kindern bessere Entwicklungschancen ermöglichen,

  • Angehörige entlasten.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht:

„Können wir uns Therapie leisten?“

Sondern:

„Können wir es uns leisten, auf Therapie zu verzichten?“

Denn häufig entstehen die wirklich hohen Kosten erst dann, wenn notwendige Therapie zu spät beginnt oder gar nicht stattfindet.


Therapie ist kein „Nice-to-have“.

Therapie bedeutet für viele Menschen die Möglichkeit, überhaupt am Leben teinehmen zu können.

-Für manche Kinder bedeutet Therapie, Freunde finden zu können, sich bewegen zu können, den Alltag zu bewältigen, oder seine Gefühle kennen lernen zu dürfen.

-Für ältere Menschen bedeutet Therapie, weiterhin selbstständig einkaufen, Treppen steigen oder zu Hause wohnen zu können.

-Für Menschen nach einem Schlaganfall bedeutet Therapie, wieder sprechen, essen, laufen oder ihren Alltag bewältigen zu können.

-Für Menschen mit chronischen Schmerzen bedeutet Therapie oft die Chance, arbeitsfähig zu bleiben und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Therapie entscheidet nicht selten darüber, ob Menschen selbstständig bleiben oder auf Unterstützung angewiesen sind.


Wer Therapie verhindert, verschiebt die Probleme nur

Oft wird bei Therapie zunächst auf die entstehenden Kosten geschaut.

Doch die entscheidende Frage lautet:


Was kostet es, wenn Therapie nicht stattfindet?

Was kostet ein Kind, das notwendige Unterstützung zu spät erhält?

Was kostet ein Arbeitnehmer, der wegen Schmerzen dauerhaft ausfällt?

Was kostet ein älterer Mensch, der seine Selbstständigkeit verliert und pflegebedürftig wird?

Was kostet ein Patient nach einem Schlaganfall, der nicht ausreichend rehabilitiert wird?

Die Antwort ist einfach:

In vielen Fällen entstehen dadurch deutlich höhere Kosten als durch die eigentliche Therapie. Therapie ist deshalb keine Belastung für das Gesundheitssystem.

Therapie ist ein Teil der Lösung.


Deshalb müssen wir laut werden

Wir Therapeuten sehen jeden Tag, was unsere Arbeit bewirkt.

Wir sehen Kinder, die plötzlich Spaß am Schulalltag haben.

Wir sehen Menschen nach Schlaganfällen, die wieder laufen können.

Wir sehen ältere Menschen, die länger selbstständig bleiben.

Wir sehen Menschen mit Schmerzen, die wieder arbeiten können.

Deshalb dürfen Heilmittel nicht nur als Ausgaben betrachtet werden.

Sie sind eine Investition.

In Selbstständigkeit.

In Lebensqualität.

In Teilhabe.

Und letztlich in die Zukunft unseres Gesundheitssystems.

Denn Gesundheit ist keine Ausgabe. Gesundheit ist eine Investition.


Herzliche Grüße

Deine Charlotte


🛡️ Rechtlicher Hinweis:

Die Inhalte dieses Textes beruhen auf meinem fachlichen Wissen als Ergotherapeutin sowie auf meinen persönlichen Erfahrungen aus meiner täglichen Arbeit . Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Es wird kein Heilversprechen gegeben. Der Nutzen einer ergotherapeutischen Maßnahme ist individuell verschieden und hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

 
 

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